Fahrwerk

Die ersten verschleissbedingten Ausfälle sind nach 8 Jahren der linke vordere Stoßdämpfer, was ich zum Anlass nahm rundherum Sachs Advantage Stoßdämpfer einzubauen. Bei diesen handelt es sich um einfache Zweirohr Gasdruckstoßdämpfer. Diese sind relativ preiswert, allerdings ist der Korrosionsschutz katastrophal. Nach 4 Monaten waren diese Dämpfer rostiger, als die 20 Jahre alten murena Exemplare. Ich schätze, dass die Sachs Dämpfer nicht mechanisch, sondern korrosionsbedingt ihr Ende erfahren werden. Der nächte Satz wird von Koni getestet, leider habe ich von Bilstein nichts gefunden (z.B. B4/B6 Gas), hier hatte ich sehr gute Erfahrungen auf einem Honda gemacht.

Die lahmen Federn habe ich zum Anlass genommen einen AP Tieferlegungssatz "AP K11" (30/40mm) einzubauen, was nun endlich wieder ein straffes, aber nicht unangenehmes Fahrverhalten ergibt. Im Gegenteil, beim Beschleunigen ist kein Nicken mehr festzustellen und Im Grenzbereich ergibt sich nicht zuletzt wegen dem größeren negativen Sturz der Vorderräder ein völlig anderes Fahrverhalten gegenüber dem Serienfahrwerk: der Wagen übersteuert leicht! Durch die relativ direkte Lenkung ist eine Korrektur aber leicht möglich, ohne großartig die Spur zu verlassen. Ich fahre häufig aktuelle VW's/BMW's aus unserem Firmenwagenpool, an die leichtfüßigkeit und Wendigkeit des Micras kommen diese auf der gleichen Strecke aber nicht hin.

Durch die schlechten Strassen, die inzwischen deutschlandweit das Niveau der ehemaligen DDR erreicht haben, leidet inzwischen auch schon die Stabilität der Karosserie. Der Vorderwagen federte in sich bei Unebenheiten, durch die neuen Stoßdämpfer wirkte sich dies noch stärker aus. Aus dem Grund habe ich mir eine Domstrebe (OMP Nr. 011412 bei Sandtler Motorsport) für ca. 65 Euro eingebaut (siehe Bild auf der Übersichtsseite). Diese Aussteifungen der Karosserie sind übrigens eintragungsfrei! Erstaunlich die Wirkung, wie stabil nun der Vorderwagen ist. Man merkt nur noch die Verwindung der Karosserie im Türbereich, aber der Vorderwagen ist nun sehr steif und ruhig, kein Zappeln mehr.

Bremsen

Nach der Überholung 2005.Ein permanentes Ärgerniss mit dem Micra ist die Bremsanlage, genauer die serienmäßigen Bremsscheiben und Bremsbeläge. Besonders bei sparsamer Fahrweise mit dosiertem Bremseneinsatz wird im Laufe der Jahre die Bremsanlage immer wieder durch Korrosion an der Innenseite der Bremsscheibe ausfallen. Außerdem sorgt die starke Innenkorrosion zwischen Radnabe und Bremsscheibe für ständiges Pulsieren des Bremspedals beim Bremsen.

Abhilfe habe ich schnell durch die Verwendung besseren Materials von Ferodo geschaffen, die angenehme Nebenwirkuung: die Bremskräfte sind enorm gestiegen, nur durch Austausch von Bremsscheibe und Belag fühlt sich die Bremsanlage an, als ob Stahlflex Leitungen eingebaut wurden! Das Material habe ich sehr preiswert bei Sandtler Motorsport gekauft (Scheibe ca. 25 Euro/Stück, Belag ca. 25 Euro/Satz). Auch bei der HU war der Prüfer sehr begeistert von der Bremswirkung dieses alten KFZ, offensichtlich sehr ungewöhnlich!
Prinzipiell ist die Micra Bemsanlage konstruktiv nämlich relativ aufwendig und Klassen besser, als bei Lupo, Polo, den Basismodellen von Golf III, oder Astra!

Wie man sieht, habe ich mir die Mühe gemacht und Sattel, Bremsbelaghalter und Bremsscheibe lackiert. Dies verlängert das Intervall bis zur nächsten korrosionsbedingten Überholung und vermeidet das Pulsieren der Bremse durch die "eiernde" Bremsscheibe!

Da ich den verunfallten Micra 1.3 "Super S" meines Vater als Schlachtfahrzeug zur Verfügung habe, steht nun eine Hinterachse mit Scheibenbremsen zur Verfügungt. Dazu kommt ebenfalls Ferodo Material auf die Hinterachse:

Die Scheiben kosten wieder ca. 33 Euro pro Stück und die Beläge 31 Euro pro Satz.

Aufgefallen ist auch teilweise eine zu kurze Bemessung der Bremsleitungen. Bei einer Reparatur der hinteren Bremsen ist mir aufgefallen, dass das Verbindungsstück von Bremsschlauch zu Sattel serienmäßig eine so starke Biegung hat, dass der Querschnitt deutlich verringert wurde. Aus dem Grund habe ich gleich Standardware aus dem Ersatzteilbedarf geholt und an einer Dose ein ordentlich rundes "S" gebogen. Hier lohnt auch nicht zu zögern, die ca. 15 cm lange Leitung mit M10x1 Gewinde kostet 1,20 Euro!!!


Wartung

Nicht zu vernachlässigen ist die Pflege der Bremsanlage. Hier ist mein 2005 überholter Bremssattel rechts vorne zu sehen. Dieser hat heute noch den ersten Kolben, O-Ring und Staubmanschette, da ich die Bremszangen schon mal gereinigt und mit Bremssattelfett geschmiert hatte. Wiederholt man dies alle 4 Jahre, wird eine Bremse ewig halten. 2007 wurden die komplett überholten Bremssättel aus dem Unfall Micra (verzinkt und mit 2K Lack versiegelt) montiert.
Da bei meinem Micra nun Alufelgen montiert werden, wurde hier alles rot lackiert. Die abgebildete Bremsscheibe hat übrigens schon 1 Jahr und 22' km Laufleistung (Winter) hinter sich.

Ein permanentes Problem, wenn man seine Bremsanlage in der Werkstatt zum Service gibt, ist häufig das Auftreten von Geräuschen, also Quietschen, wenn man auf die Bremse tritt. Auch wegen einer Garantiereparatur an meinem Micra hatte ich das zu bemängeln. Woher kommt das? Im Bild ist eine Vorderradbremse zu sehen, der Bremssatel liegt vor der Achse, beim Bremsen würde sich dieser Bremssattel im Uhrzeigersinn drehen wird aber von den Gleitstiften gehalten, die eine Bewegung vom Bremssattel auf dem Bremsbelaghalter erlauben. Der untere Stift (Pfeil) hat bei allen so aufgebauten Bremsen eine Gummihülse als Schwingungsdämpfer. An einem Toyota wurde diese vergessen, dieser quietschte elendig, an meinem Micra wurde diese oben montiert, das Quietschen war leicht vorhanden. Also alles sauber reinigen, mit Plastitube schmieren und gegen das Eindringen von Feuchtigkeit schützen. Damit ist dann wieder Ruhe!

Tipp

"Ich würde die Bremsanlage ja öfter warten, wenn die Montage der Staubschutzmanschette nicht so eine Fummelei wäre...!" Das ist verständlich, darum hier ein Montagetipp, der hilft aber vermutlich nur Leuten, die sich schon mal mit einer Bremszange auseinander gesetzt haben ;-):

  • Den Bremssattel reinigen, Rost entfernen und mit Druckluft ausblasen.
  • Den O-Ring reinigen und vorher in der Nut Bremssattelfett auftragen und montieren.
  • Die Staubschutzmanschette mit Plastitube (!) in der Nut montieren. Von innen gut andrücken und alles von innen mit Bremssattelfett einreiben.
  • Den Bremskolben mit Plastitube in der Nut für die Staubschutzmanschette versehen und leicht mit Bremssattelfett einreiben.
  • Den Bremskolben einsetzen und mit den Fingernägeln die Manschette hochziehen. Durch das Bremssattelfett gleitet diese leicht an dem Kolben hoch. Natürlich muss die Manschette noch elastisch genug sein, denn diese gleitet erst über den Kolben, wenn man sie anständig in die Länge zieht.
  • Der Kolben kann nun leicht mit den Daumen in den Bremssattel gedrückt werden, wenn alles mechanisch in Ordnung ist.
  • So ist die Montage eine Sache von 10 Minuten!


    2006 sind wieder zwei Sätze Reifen nötig, aus Kostengründen sind aber nun 195/50 VR15 drauf, die kann ich auch auf dem eigentlich nie benutzten Golf III fahren und sind billiger, als die Originalgröße. Ein Nebeneffekt, das mehr an Grip hat bei diesem Einsatz auch einen angenehmen Nebeneffekt.
    Entsprechend dem größeren Abrollumfang muss der Tacho angepasst werden. Dazu habe ich mir einen mechanischen Tacho aus baujahrgleichem Nissan Almera/100NX Tacho gekauft (Ebay), der die korrekte Übersetzung hat. Eine neue Tachoscheibe, passend für das Micra Armaturenbrett ist auch gemacht und schon kann man mit dem Tachoprüfprotokoll zum TÜV fahren. Um hier ein Modewort "Customizing" zu gebrauchen, im Ziffernblatt des Tachos sind nun übrigens meine Initialen zu sehen ;-).

    Noch die verkratzten Alufelgen des Golf herrichten und die neuen Winterreifen montiert. Mit Motip Lacken habe ich übrigens ausser den paar Staubeinschlüssen aus der Garage das gleiche Oberflächenergebniss erzielen können, wie der Lackierer, was mir zuvor mit Auto-K Lacken aufgrund der schlechten Sprühdosen- und Lackqualität nicht gelungen ist. Das Ergebnis, siehe links... So macht das Basteln Spass. erstaunlich auch die hervorragende Dispersion der Metallicpartikel, kaum zu glauben, dass dies aus einer Sprühdose kommt!