Warum legt man sich so eine französische Möhre mit fahrschultauglicher Kupplung zu, wo es doch fast keine anständigen Fahrzeuge mehr gibt, die Motorisierung unter dem Niveau jedes 1.6l Golf liegt und jede Menge Arbeit zu investieren ist, zu der keine normale Wekstatt mehr fähig ist? Ausserdem existiert weder das Vertriebsnetz, noch der Hersteller, was den Wert der Fahrzeuge nicht gerade fördert!
Wie bei allen alten Fahrzeugen gehört ein persönlicher Bezug zu diesem Fahrzeug, in meine Fall waren es die beiden neuen 2.2l murenas meiner Onkel in den 80'ern, die leider vor meinem Führerschein aus dem Familienbesitz verschwanden (der Rote '83 er wurde in 3. Hand gestohlen).
Alle über 10 Jahre alten Fahrzeuge haben einen erhöhten Wartungs und Pflegeaufwand. Die meisten Bauteile sind für eine Lebensdauer von 6 bis 12 Jahren konstruiert, will man sein Fahrzeug länger nutzen, sind viele Teile, die im Leben eines Alltagsfahrzeuges nie angetastet werden, zu warten (Scheibenwischer, Bremsanlage...). Darum ist so ein Fahrzeug nur mit sehr viel technischem Verständnis, das man sich auch aneignen kann, oder einer guten Oldiewerkstatt mit viel Geld am Leben zu halten. Die üblichen Stammtischsprüche (Zitat eines KFZ-Gutachters!) kann man vergessen, die sorgen für das falsche Image des murena und Murksreparaturen.
Hält man den Wagen in Schuß dann hat man einen kleinen, lustigen Landstraßenflitzer. Beschleunigungsrennen kann man sich schenken, auch wenn man den Drehzahlbegrenzer ausbaut, außer man scheut sich nicht vor Kämpfen mit Kleinwagen, die einen auch stehen lassen können (tdi!). Auf der Autobahn ist der murena wie alle Mittelmotorwagen laut und unruhig, außerdem hat seine Endgeschwindigkeit heutzutage keinen Angeberwert mehr!
Die Stärke ist wirklich die kurvige Landstraße, bei der der murena mit seiner Gewichtsverteilung und Schwerpunktslage, sowie Sitzposition ein echtes Sportwagenfeeling aufkommen läßt. Auch das Getriebe ist optimal in dieser Hinsicht abgestuft. Typisch Sportwagen ist auch, daß die Endgeschwindigkeit bei Höchstdrehzahl im 5. Gang erreicht wird und die Drehzahlsprünge relativ gleichmäßig sind.
Unter Renneinsätzen wird die Bremsanlage im Serienzustand schlapp machen, entstammt sie doch den Simca Familienkutschen, wie zum Beispiel Solara oder 1309. Bei flotter Landstraßenfahrt liegen keine Probleme vor, außer die Anlage ist fehlerhaft (anliegende Bremsklötze).
Abgesehen davon hat man auch ohne Spoiler und Breitreifen ein wirklich individuelles Fahrzeug, das sehr selten anzutreffen ist und üblicherweise in Deutschland viel Neid auf sich zieht.